Warum USA?

Wenn es in Gesprächen um meine Leidenschaft die USA geht, dann kommt oft die Frage auf, warum den gerade die Vereinigten Staaten von Amerika mein „Land“ sind. Um die Frage beantworten zu können, muss ich etwas ausholen.

Bereits Anfang der 1990er Jahre bereiste mein Onkel mehrfach die USA. Für mich, als ein Teenager, der in einem Dorf mit 3500 Einwohnern aufwuchs, waren seine Erzählungen faszinieren. Bei jedem Besuch bewunderte ich die vielen Fotos seiner Reisen, die sein Haus schmückten. Besonders angetan war ich schon damals von einer Landkarte der USA, auf der er jede seiner Touren eingezeichnet hatte, zudem wurde jeder besuchte Bundesstaat mit einem Pin des Staates versehen.

Neben meinem Onkel war es aber auch mein Vater, der die Faszination auf mich übertrug. Er interessiert sich ebenso wie mein Onkel vor allem für die Geschichte der USA. Aus gesundheitlichen Gründen konnte er Mitte der 90ger Jahre eine bereits gebuchte Reise nicht antreten. So wurde sein erster Besuch in den Vereinigten Staaten auch meine erste Reise. Im Juli 1998 flogen wir zusammen mit meinem Onkel nach Los Angeles. Um die 25 Tage dauernde Reise antreten zu können, durfte ich damals sogar das Berufsgrundschuljahr frühzeitig beenden.

Obwohl ich erst 16 Jahre alt war und die Reise mittlerweile über 20 Jahre zurück liegt, kann ich mich an erstaunlich viele Details erinnern. Schon am Flughafen in Los Angeles kam ich aus dem Staunen nicht raus. Diese Hektik, diese Autos, alles wie im Fernsehen! Ich erinnere mich, als ob es erst gestern gewesen wäre, an die Atmosphäre im Hotel, in dem wir die erste Nacht verbrachten. Die Lichter am Pool, der Lärm der über uns startenden Flugzeuge, die Hitze und das Rattern der Klimaanlagen.

In Zeiten bevor das Internet zum Massenphänomen wurde, war unsere Reise noch ein echtes Abenteuer. Wir schliefen überwiegend im Zelt und eine durchgeplante Route existierte vor der Reise nicht. Wir hatten vier Wochen Zeit und nur wenige fixe Ziele. Gebucht war nur die erste und die letzte Nacht, dazwischen künstlerische Freiheit. So passierte es aber eben auch, dass wir nicht im Yosemite National Park schlafen konnten, weil er ausgebucht war. Die anschließende Suche nach einer Unterkunft dauerte bis spät in die Nacht. Vielleicht wären wir auch weiter nach Moab gefahren und nicht durch Arizonas Süden gereist, hätten wir gewusst, was für wunderschöne Nationalparks dort auf uns gewartet hätten.

Rückblickend war die erste Reise auch deshalb etwas Besonderes, weil sie eben nicht perfekt geplant war. So mussten wir für die letzten Tage auf einen Campingplatz im Hinterland ausweichen, weil alle anderen ausgebucht waren. Mit dem Ortega Campground machten wir aber einen absoluten Glücksgriff und fühlten uns dort absolut wohl. Dies lag nicht zuletzt an der herzlichen Art der Gastgeberfamilie.

Leider dauerte es fast 12 Jahre, bis ich 2010 erneut das gelobte Land betreten konnte. Die Reise führte mich wieder an die Westküste, womit sich ein Kreis schloss. 2015 wagte ich das bis heute größte Abenteuer meines Lebens und stieg allein in das Flugzeug. Zum dritten Mal erkundete ich die Westküste und hatte dafür über drei Wochen Zeit. Das Land allein zu bereisen war eine unglaublich intensive, aber wunderschöne Erfahrung.

Der Kurztrip nach Florida im Januar 2020 war die insgesamt 10. Reise in die USA. Mittlerweile habe ich über ein halbes Jahr meines Lebens dort verbracht. Die weißen Flecken auf meiner eigenen Reiselandkarte werden weniger. Ich habe den Traum, spätestens im Alter von 50 alle 50 Staaten gesehen zu haben. Die Pins der noch 17 fehlenden Staaten habe ich schon in der Schublade.

Früher lief an den Flughäfen dieses Willkommens-Video, welches ich gerne mit euch teile: